Definition
Synthetic Identity Fraud bezeichnet eine Form des Identitätsbetrugs, bei der Täter eine künstliche Identität aus einer Kombination realer und fiktiver Informationen erstellen. Typischerweise werden echte personenbezogene Daten – wie Sozialversicherungsnummern oder Geburtsdaten – mit erfundenen Namen, Adressen oder weiteren Identitätsmerkmalen kombiniert.
Das Ziel besteht darin, eine scheinbar legitime, aber tatsächlich nicht existierende Person zu schaffen, die für finanzielle Transaktionen oder betrügerische Aktivitäten genutzt werden kann.
Kontext
Synthetic Identity Fraud ist eine besonders relevante Betrugsform im Umfeld von:
• Finanzdienstleistungen und Kreditvergabe
• Know Your Customer (KYC) und Customer Due Diligence (CDD)
• digitalen Identitätsprüfungen
• Online-Banking und FinTech-Plattformen
Im Gegensatz zu klassischem Identitätsdiebstahl wird keine bestehende Identität vollständig übernommen. Stattdessen entsteht eine neue, synthetische Identität, die sich über Zeit durch legitime Transaktionen „aufbaut“ und dadurch an Glaubwürdigkeit gewinnt.
Die zunehmende Digitalisierung von Onboarding-Prozessen und die Verfügbarkeit grosser Datenmengen erhöhen die Anfälligkeit für diese Betrugsform.
Bedeutung
Synthetic Identity Fraud gilt als eine der am schwierigsten zu erkennenden Betrugsarten, da keine eindeutige „echte“ Opferidentität existiert, die Missbrauch meldet.
Zentrale Herausforderungen sind:
• Schwierige Detektion: keine klare Zuordnung zu realen Personen
• Langfristiger Aufbau: Identitäten werden über Monate oder Jahre entwickelt
• Hohe Verluste: insbesondere im Kredit- und Finanzbereich
• Umgehung klassischer Kontrollen: KYC- und Verifikationsprozesse greifen nur eingeschränkt
Für Organisationen bedeutet dies, dass traditionelle Identitätsprüfungen durch verhaltensbasierte Analysen und Datenabgleiche ergänzt werden müssen.
Beispiel
Eine synthetische Identität wird erstellt, indem eine echte, aber wenig genutzte Sozialversicherungsnummer mit einem fiktiven Namen kombiniert wird. Über mehrere Monate werden kleine, legitime Finanztransaktionen durchgeführt, um eine Kredithistorie aufzubauen.
Sobald die Identität als vertrauenswürdig eingestuft wird, werden grössere Kredite aufgenommen und anschliessend nicht zurückgezahlt.
Quellen
Zitierempfehlung
wirtschaftsforensik.ch Redaktion: "Synthetic Identity Fraud", in: Glossar, wirtschaftsforensik.ch, https://wirtschaftsforensik.ch/glossar/synthetic-identity-fraud/, abgerufen am 18.04.2026.
