Das Glossar bietet strukturierte Definitionen zentraler Begriffe der Wirtschaftsforensik, Betrugsprävention und Wirtschaftskriminalität – als Grundlage für ein konsistentes fachliches Verständnis.
Definition: Das Glossar fungiert als semantisches Referenzsystem, das Begriffe, Konzepte und Zusammenhänge der Wirtschaftsforensik konsistent strukturiert und verknüpft.
A
Aufdeckung durch externe Prüfung
DEFINITION
Aufdeckung durch externe Prüfung bezeichnet die Identifikation von Unregelmässigkeiten oder Betrug durch unabhängige externe Revisoren im Rahmen der Jahresabschlussprüfung.
KONTEXT
Die Aufdeckung durch externe Prüfung erfolgt typischerweise im Rahmen gesetzlich vorgeschriebener Prüfungen und konzentriert sich auf wesentliche Fehler oder Manipulationen in der Finanzberichterstattung. Sie steht in engem Zusammenhang mit Bilanzbetrug, Interner Kontrolle und Compliance, ist jedoch nicht primär auf die aktive Aufdeckung von Betrug ausgerichtet.
BEDEUTUNG
Die Aufdeckung durch externe Prüfung hat eine wichtige Kontrollfunktion, erkennt jedoch nur einen Teil von Betrug, da externe Prüfungen risikobasiert und nicht forensisch ausgerichtet sind.
BEISPIEL
Abweichungen im Jahresabschluss.
Aufdeckung durch interne Revision
DEFINITION
Aufdeckung durch interne Revision bezeichnet die Identifikation von Betrug oder Unregelmässigkeiten durch unabhängige Prüfungen innerhalb einer Organisation.
KONTEXT
Die Aufdeckung durch interne Revision erfolgt im Rahmen risikoorientierter Prüfungen und umfasst sowohl finanzielle als auch operative Prozesse. Sie steht in engem Zusammenhang mit Interner Kontrolle, Compliance und Betrug und kann systematische Schwächen sowie Kontrolllücken aufdecken.
BEDEUTUNG
Die Aufdeckung durch interne Revision ist besonders wirksam bei der Identifikation von prozessualen Schwächen und Kontrollmängeln, erkennt jedoch nicht alle Formen von Betrug, insbesondere bei kollusivem Verhalten.
BEISPIEL
Interne Revision entdeckt manipulierte Buchungen.
B
Bestätigungsquote
DEFINITION
Die Bestätigungsquote beschreibt den Anteil bestätigter Fälle an allen eingegangenen Hinweisen oder untersuchten Verdachtsfällen.
KONTEXT
Die Bestätigungsquote wird im Rahmen von Fraud KPI und Hinweisen und Meldungen analysiert und steht in engem Zusammenhang mit der Qualität von Meldungen sowie der Effektivität von Internen Untersuchungen. Sie dient der Bewertung von Hinweisgebersystemen und Untersuchungsprozessen.
BEDEUTUNG
Sie ist ein wichtiger Qualitätsindikator für die Relevanz eingehender Hinweise und die Wirksamkeit von Prüf- und Untersuchungsmechanismen.
BEISPIEL
40 Prozent der Hinweise bestätigt.
Betrugshäufigkeit
DEFINITION
Anzahl von Betrugsfällen in einem definierten Zeitraum.
KONTEXT
Die Betrugshäufigkeit ist eine zentrale Kennzahl im Fraud Risk Assessment und im Monitoring von Fraud Detection Methods. Sie wird häufig in Kombination mit Kennzahlen wie Schaden pro Betrugsfall oder durchschnittlicher Betrugsdauer analysiert, um Risikotrends und Wirksamkeit von Kontrollen zu beurteilen.
BEDEUTUNG
Ermöglicht Trendanalysen, Benchmarking und die Bewertung der Wirksamkeit von Präventions- und Detektionsmassnahmen.
BEISPIEL
Anstieg von 5 auf 9 Fälle pro Jahr.
Betrugskennzahl (Fraud KPI)
DEFINITION
Betrugskennzahl (Fraud KPI) ist eine quantitative Kennzahl zur Messung von Betrugsrisiken, tatsächlichen Betrugsfällen oder der Wirksamkeit von Internen Kontrollen.
KONTEXT
Betrugskennzahlen (Fraud KPIs) werden im Rahmen von Compliance, Interner Revision und Fraud Risk Management eingesetzt. Sie dienen der systematischen Überwachung von Risiken, der Identifikation von Trends sowie der Steuerung und Bewertung von Präventions- und Aufdeckungsmassnahmen.
BEDEUTUNG
Ermöglicht Steuerung, Vergleich und Berichterstattung auf Management-Ebene.
BEISPIEL
Betrugskennzahlen (Fraud KPIs) ermöglichen eine datenbasierte Steuerung, Vergleichbarkeit über Zeit und Organisationseinheiten hinweg sowie eine strukturierte Berichterstattung an Management und Aufsichtsgremien.
Betrugsprävention
DEFINITION
Massnahmen zur Verhinderung von Betrug.
KONTEXT
Betrugsprävention umfasst organisatorische, prozessuale und technische Massnahmen zur Reduktion von Betrugsrisiken und ist eng verknüpft mit Internen Kontrollen, Fraud Risk Assessment sowie einer gelebten Tone at the Top-Kultur. Sie adressiert insbesondere die Faktoren Gelegenheit und Rationalisierung im Betrugsdreieck.
BEDEUTUNG
Wirksame Betrugsprävention reduziert Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe und ist in der Regel kosteneffizienter als reaktive Aufklärungsmassnahmen.
BEISPIEL
Sensibilisierung von Mitarbeitenden mittels Schulung.
Betrugsschaden
DEFINITION
Finanzieller Schaden, der durch betrügerische Handlungen entstanden ist.
KONTEXT
Der Betrugsschaden ist eine zentrale Kennzahl im Fraud Risk Assessment und wird häufig in Kombination mit Kennzahlen wie Betrugshäufigkeit, Schaden pro Betrugsfall und durchschnittlicher Betrugsdauer analysiert. Er umfasst sowohl direkte finanzielle Verluste als auch – je nach Betrachtung – indirekte Kosten wie Reputationsschäden oder Aufklärungskosten.
BEDEUTUNG
Zentrale Grösse zur Bewertung der wirtschaftlichen Auswirkungen von Betrug sowie zur Priorisierung von Risiken und Massnahmen.
BEISPIEL
Gesamtschaden durch Scheinrechnungen.
Beweiskette (Chain of Custody)
DEFINITION
Beweiskette (Chain of Custody) bezeichnet die lückenlose Dokumentation aller Zugriffe, Transfers und Aufbewahrungsschritte von Beweismitteln über deren gesamten Lebenszyklus hinweg.
KONTEXT
Die Beweiskette (Chain of Custody) ist ein zentrales Element in der Forensik, bei internen Untersuchungen sowie in straf- und zivilrechtlichen Verfahren. Sie stellt sicher, dass Beweismittel jederzeit eindeutig zuordenbar, unverändert und nachvollziehbar behandelt wurden.
BEDEUTUNG
Eine intakte Beweiskette (Chain of Custody) ist entscheidend für die Verwertbarkeit von Beweismitteln, da sie Manipulationsvorwürfe verhindert und die Integrität der Beweise sicherstellt.
BEISPIEL
Protokollierte Übergabe von Datenträgern.
D
Datenbasierte Betrugsaufdeckung
DEFINITION
Datenbasierte Betrugsaufdeckung bezeichnet die systematische Analyse grosser Datenmengen zur Identifikation von Auffälligkeiten, Mustern und Anomalien mit Bezug zu Betrug.
KONTEXT
Datenbasierte Betrugsaufdeckung wird insbesondere im Rahmen von Fraud Risk Management, Compliance und Interner Revision eingesetzt. Sie ermöglicht die kontinuierliche Überwachung von Transaktionen und Stammdaten sowie die Identifikation von Red Flags, auffälligen Transaktionsmustern und potenziellen Schwächen in Internen Kontrollen.
BEDEUTUNG
Datenbasierte Betrugsaufdeckung ermöglicht eine skalierbare, kontinuierliche und datengetriebene Überwachung und erhöht die Wahrscheinlichkeit, auch komplexe oder systematische Betrugsmuster frühzeitig zu erkennen.
BEISPIEL
Dublettenanalyse bei Lieferanten.
Doppelzahlungen
DEFINITION
Mehrfache Zahlung derselben Rechnung.
KONTEXT
Doppelzahlungen treten typischerweise in Beschaffungs- und Kreditorenprozessen auf und stehen häufig im Zusammenhang mit Schwächen in Internen Kontrollen, unzureichender Funktionstrennung (Segregation of Duties) oder mangelnder Datenqualität. Sie sind ein klassisches Beispiel für Red Flags in der Betrugsaufdeckung.
BEDEUTUNG
Weist auf Prozess- und Kontrollschwächen hin und kann sowohl auf Fehler als auch auf betrügerische Handlungen hindeuten.
BEISPIEL
Rechnung wird zweimal bezahlt.
Durchschnittliche Betrugsdauer
DEFINITION
Durchschnittliche Betrugsdauer bezeichnet die durchschnittliche Zeitspanne zwischen Beginn und Aufdeckung eines Betrugsfalls.
KONTEXT
Die durchschnittliche Betrugsdauer ist eine zentrale Kennzahl im Fraud Risk Management und wird häufig im Rahmen von Betrugskennzahlen (Fraud KPI) sowie durch Interne Revision und Compliance analysiert. Sie ermöglicht Rückschlüsse auf die Wirksamkeit von Internen Kontrollen und Aufdeckungsmechanismen.
BEDEUTUNG
Eine kurze durchschnittliche Betrugsdauer weist auf effektive Kontrollen und schnelle Aufdeckung hin, während lange Zeiträume auf Schwächen im Kontroll- und Überwachungssystem hindeuten.
BEISPIEL
Betrug wird nach 14 Monaten entdeckt.
E
Entdeckungsdauer
DEFINITION
Zeit bis zur erstmaligen Identifikation eines Betrugs.
KONTEXT
Die Entdeckungsdauer ist eine zentrale Kennzahl im Fraud Risk Assessment und im Monitoring von Fraud Detection Methods. Sie wird häufig in Verbindung mit der durchschnittlichen Betrugsdauer und dem Betrugsschaden analysiert, um die Wirksamkeit von Kontroll- und Hinweisgebersystemen zu bewerten.
BEDEUTUNG
Eine kurze Entdeckungsdauer reduziert potenzielle Schäden und weist auf wirksame Kontroll-, Monitoring- und Hinweisgebersysteme hin.
BEISPIEL
Hinweis führt nach zwei Wochen zur Aufdeckung.
Entdeckungsquellen-Quote
DEFINITION
Verhältnis der Entdeckungsarten (Hinweise, Audit, Analysen).
KONTEXT
Die Entdeckungsquellen-Quote ist eine analytische Kennzahl im Fraud Risk Assessment und im Monitoring von Fraud Detection Methods. Sie differenziert nach Entdeckungsarten wie Hinweise, interne Kontrollen, Audits oder Datenanalysen und ermöglicht eine systematische Bewertung der Wirksamkeit einzelner Detektionsmechanismen.
BEDEUTUNG
Zeigt die relative Wirksamkeit verschiedener Aufdeckungsmechanismen und unterstützt die gezielte Weiterentwicklung von Kontroll- und Hinweisgebersystemen.
BEISPIEL
60 Prozent der Fälle durch Hinweise entdeckt.
F
Forensische Beweissicherung
DEFINITION
Forensische Beweissicherung umfasst die systematische Sicherstellung, Dokumentation, Analyse und Aufbewahrung von Beweismitteln im Rahmen von Untersuchungen.
KONTEXT
Forensische Beweissicherung ist ein zentrales Element in Untersuchungen von Betrug und anderer Wirtschaftskriminalität. Sie steht in engem Zusammenhang mit der Beweiskette (Chain of Custody), digitalen Forensikverfahren sowie internen und externen Ermittlungsprozessen.
BEDEUTUNG
Forensische Beweissicherung ist entscheidend für die Integrität und gerichtliche Verwertbarkeit von Beweismitteln und verhindert Manipulation oder Verlust relevanter Informationen.
BEISPIEL
Sicherung von Server-Logs.
Funktionstrennung (Segregation of Duties)
DEFINITION
Funktionstrennung bezeichnet die Aufteilung kritischer Prozessschritte auf unterschiedliche Personen oder Rollen.
KONTEXT
Funktionstrennung (Segregation of Duties, SoD) ist ein zentrales Prinzip von Internen Kontrollen und Bestandteil von Compliance- und Governance-Strukturen. Sie wird insbesondere in prozesskritischen Bereichen wie Beschaffung, Zahlungsverkehr und IT-Berechtigungskonzepten eingesetzt und ist ein wesentliches Element im Fraud Risk Assessment.
BEDEUTUNG
Funktionstrennung (Segregation of Duties) reduziert das Risiko von Betrug und Fehlern, indem verhindert wird, dass einzelne Personen Transaktionen vollständig initiieren, genehmigen und ausführen können.
BEISPIEL
Die Person, die Lieferanten anlegt, darf keine Zahlungen freigeben.
H
Häufigkeit von Ausnahmen
DEFINITION
Häufigkeit von Ausnahmen (Override Frequency) bezeichnet die Anzahl von Übersteuerungen oder Umgehungen definierter Interner Kontrollen innerhalb eines bestimmten Zeitraums.
KONTEXT
Die Häufigkeit von Ausnahmen ist eine wichtige Kennzahl im Fraud Risk Management und Teil von Betrugskennzahlen (Fraud KPI). Sie wird insbesondere in prozesskritischen Bereichen wie Zahlungsfreigaben, Beschaffung oder Berechtigungsmanagement analysiert, um Schwächen in Internen Kontrollen oder ungewöhnliche Verhaltensmuster zu identifizieren.
BEDEUTUNG
Eine hohe Häufigkeit von Ausnahmen kann auf Missbrauch, ineffektive Prozesse oder systematische Umgehung von Kontrollen hinweisen und stellt daher ein wesentliches Red Flag dar.
BEISPIEL
Zahlungsfreigaben außerhalb Standardprozess.
I
Interne Kontrollen
DEFINITION
IInterne Kontrollen sind organisatorische, prozessuale und technische Massnahmen zur Sicherstellung ordnungsgemaesser, effizienter und regelkonformer Geschaeftstaetigkeit.
KONTEXT
Interne Kontrollen bilden die Grundlage von Governance, Risikomanagement und Compliance. Sie stehen in engem Zusammenhang mit Funktionstrennung (Segregation of Duties), Kontrollaktivitaeten und kontinuierlicher Ueberwachung und werden gezielt eingesetzt, um Betrug, Fehler und Regelverstoesse zu verhindern oder fruehzeitig zu erkennen.
BEDEUTUNG
Wirksame Interne Kontrollen reduzieren Risiken im Zusammenhang mit Betrug, Fehlern und Compliance-Verstoessen erheblich und sind entscheidend fuer die Verlaesslichkeit von Geschaeftsprozessen und Berichterstattung.
BEISPIEL
Vier-Augen-Prinzip bei Zahlungen.
Interne Untersuchung
DEFINITION
Interne Untersuchung bezeichnet einen strukturierten Prozess zur Aufklärung von Verdachtsfällen innerhalb einer Organisation, insbesondere im Zusammenhang mit Betrug oder anderen Regelverstössen.
KONTEXT
Interne Untersuchungen sind ein zentrales Instrument im Compliance- und Fraud Risk Management. Sie stehen in engem Zusammenhang mit Forensischer Befragung, Forensischer Beweissicherung und der Beweiskette (Chain of Custody) und umfassen typischerweise die Analyse von Daten, Dokumenten und Kommunikationsinhalten.
BEDEUTUNG
Interne Untersuchungen sind eine zentrale Massnahme zur Aufklärung von Betrug und anderen Compliance-Vorfällen und bilden die Grundlage für weitere rechtliche, organisatorische und disziplinarische Schritte.
BEISPIEL
Analyse von E-Mails und Buchungsdaten.
K
Kontrollausfallquote
DEFINITION
Anteil versagender Kontrollen.
KONTEXT
Die Kontrollausfallquote ist eine zentrale Kennzahl im Rahmen von Internen Kontrollen und Fraud Risk Assessment. Sie misst die Wirksamkeit von Kontrollmechanismen, etwa im Bereich Genehmigungen, Abstimmungen oder Systemkontrollen, und wird häufig im Rahmen von Audits und Monitoring-Prozessen analysiert.
BEDEUTUNG
Direkter Indikator für Schwächen im Kontrollumfeld und für potenzielle Betrugsgelegenheiten.
BEISPIEL
Mehrere fehlgeschlagene Vier-Augen-Kontrollen.
Kontrollwirksamkeit
DEFINITION
Anteil wirksamer Kontrollen an allen getesteten Kontrollen.
KONTEXT
Die Kontrollwirksamkeit ist eine zentrale Kennzahl im Rahmen von Internen Kontrollen und wird häufig im Kontext von Fraud Risk Assessment sowie internen und externen Audits verwendet. Sie bewertet, inwieweit definierte Kontrollen tatsächlich wie vorgesehen funktionieren und Risiken wirksam reduzieren.
BEDEUTUNG
Misst die Qualität und Zuverlässigkeit des internen Kontrollsystems und ist ein zentraler Indikator für dessen Leistungsfähigkeit.
BEISPIEL
85 Prozent der Kontrollen wirksam.
Kosten des Fraud-Managements
DEFINITION
Die Kosten des Fraud-Managements umfassen sämtliche Aufwände für Prävention, Detektion und Aufklärung von Betrugsfällen, einschliesslich Personal, Systeme, Analysen und Schulungen.
KONTEXT
Die Kosten des Fraud-Managements stehen im Zusammenhang mit Fraud Risk Assessment, Datenanalyse zur Betrugsaufdeckung sowie Internen Kontrollen. Sie entstehen entlang des gesamten Kontrollzyklus – von präventiven Massnahmen über kontinuierliche Überwachung bis hin zu internen Untersuchungen und forensischer Aufarbeitung.
BEDEUTUNG
Sie ermöglichen eine fundierte Kosten-Nutzen-Abwägung zwischen Investitionen in Kontrollen und potenziellen Schadensvermeidungseffekten und sind zentral für die Steuerung von Fraud-Programmen auf Management-Ebene.
BEISPIEL
Budget für Analysen und Schulungen.
M
Management-Überwachung
DEFINITION
Kontrollen und Plausibilisierungen durch Führungskräfte.
KONTEXT
Management-Überwachung ist ein wesentliches Element von Internen Kontrollen und ergänzt automatisierte sowie prozessuale Kontrollen durch analytische Beurteilungen auf Führungsebene. Sie steht in engem Zusammenhang mit Fraud Risk Assessment, Red Flags und der operativen Steuerung von Geschäftsprozessen.
BEDEUTUNG
Ermöglicht die frühzeitige Identifikation von Auffälligkeiten und stärkt die Wirksamkeit des Kontrollumfelds durch kritische Plausibilisierung.
BEISPIEL
Ungewöhnliche Kostenabweichungen werden hinterfragt.
Meldegeschwindigkeit
DEFINITION
Zeit zwischen Feststellung und Meldung.
KONTEXT
Die Meldegeschwindigkeit ist eine zentrale Kennzahl im Incident- und Compliance-Management und steht in engem Zusammenhang mit Internen Untersuchungen, Meldepflichten an Behörden sowie Hinweisen und Meldungen. Sie misst die Effizienz von Eskalations- und Reportingprozessen nach der Feststellung von Unregelmässigkeiten.
BEDEUTUNG
Eine hohe Meldegeschwindigkeit reduziert Haftungsrisiken, ermöglicht zeitnahe Gegenmassnahmen und verbessert die Wirksamkeit von Compliance- und Kontrollsystemen.
BEISPIEL
Verspätete Eskalation an Compliance.
N
Nutzung Hinweisgebersystem
DEFINITION
Die Nutzung des Hinweisgebersystems beschreibt die Anzahl eingehender Meldungen im Verhältnis zur Organisationsgrösse, häufig gemessen pro Mitarbeitendenzahl oder Zeiteinheit.
KONTEXT
Die Nutzung des Hinweisgebersystems steht in engem Zusammenhang mit Hinweisen und Meldungen, der Unternehmenskultur sowie dem Vertrauen in Compliance-Strukturen. Sie wird häufig im Rahmen von Fraud KPI und Fraud Risk Assessment analysiert, um die Wirksamkeit von Hinweisgebersystemen und Kommunikationsmassnahmen zu beurteilen.
BEDEUTUNG
Eine niedrige Nutzung kann auf Misstrauen, Angst vor Repressalien oder mangelnde Bekanntheit des Systems hinweisen, während eine angemessene Nutzung als Indikator für funktionierende Meldeprozesse gilt.
BEISPIEL
2 Meldungen pro 1’000 Mitarbeitende.
P
Prüfpfad (Audit Trail)
DEFINITION
Ein Prüfpfad (Audit Trail) ist die nachvollziehbare und lückenlose Dokumentation von Transaktionen, Änderungen und Zugriffen innerhalb eines Systems.
KONTEXT
Audit Trails sind ein zentrales Element von Internen Kontrollen, Forensischer Beweissicherung und IT-Governance. Sie ermöglichen die Nachverfolgung von Aktivitäten und stehen in engem Zusammenhang mit Missbrauch von Zugriffsrechten sowie internen und externen Prüfungen.
BEDEUTUNG
Sie bilden die Grundlage für Revision, Betrugsaufklärung und regulatorische Nachweise, da sie Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Systemaktivitäten sicherstellen.
BEISPIEL
Protokollierung von Buchungsänderungen.
R
Repressalien gegen Hinweisgebende
DEFINITION
Repressalien gegen Hinweisgebende bezeichnen jede Form von Benachteiligung oder Sanktion gegenüber Personen, die Missstände oder Fehlverhalten melden.
KONTEXT
Repressalien treten im Zusammenhang mit Hinweisen und Meldungen sowie der Nutzung von Hinweisgebersystemen auf und stehen im Spannungsfeld von Unternehmenskultur, Compliance und arbeitsrechtlichem Schutz. Sie sind eng verknüpft mit regulatorischen Anforderungen, insbesondere im Rahmen der Hinweisgeberschutzgesetzgebung.
BEDEUTUNG
Repressalien untergraben die Wirksamkeit von Hinweisgebersystemen erheblich, da sie potenzielle Meldende abschrecken und somit die Aufdeckung von Betrug und Fehlverhalten erschweren.
BEISPIEL
Degradierung nach einer Meldung.
Risikobelastung kritischer Prozesse
DEFINITION
Die Risikobelastung kritischer Prozesse beschreibt den Anteil oder die Identifikation von Geschäftsprozessen mit erhöhtem Betrugs- oder Compliance-Risiko innerhalb einer Organisation.
KONTEXT
Die Risikobelastung kritischer Prozesse wird im Rahmen von Fraud Risk Assessment und Risikoanalysen bestimmt und steht in engem Zusammenhang mit Internen Kontrollen sowie der Priorisierung von Überwachungs- und Prüfaktivitäten. Typische Hochrisikobereiche sind Beschaffung, Zahlungsprozesse oder Stammdatenpflege.
BEDEUTUNG
Sie ermöglicht eine risikobasierte Steuerung und gezielte Allokation von Ressourcen, indem besonders exponierte Prozesse priorisiert überwacht und kontrolliert werden.
BEISPIEL
Einkauf als Hochrisikoprozess.
Rückgewinnungsquote
DEFINITION
Anteil des zurückgewonnenen Schadens.
KONTEXT
Die Rückgewinnungsquote ist eine zentrale Kennzahl im Nachgang von Internen Untersuchungen und steht in engem Zusammenhang mit Betrugsschaden, Meldepflichten an Behörden sowie rechtlichen Durchsetzungs- und Rückforderungsprozessen. Sie misst die Effektivität von Massnahmen zur Schadenskompensation.
BEDEUTUNG
Indikator für die Wirksamkeit von Aufklärung, rechtlicher Durchsetzung und Schadensbegrenzung nach Betrugsfällen.
BEISPIEL
30 Prozent des Schadens rückgeführt.
S
Schaden pro Betrugsfall
DEFINITION
Der Schaden pro Betrugsfall beschreibt den durchschnittlichen finanziellen Verlust, der pro aufgedecktem Betrugsfall entsteht.
KONTEXT
Diese Kennzahl wird im Rahmen von Fraud KPI und Fraud Risk Assessment verwendet und steht im Zusammenhang mit der Durchschnittlichen Betrugsdauer, da längere unentdeckte Betrugsfälle typischerweise höhere Schäden verursachen. Sie dient der quantitativen Bewertung von Betrugsrisiken über verschiedene Fälle hinweg.
BEDEUTUNG
Sie unterstützt die Priorisierung von Risiken und Massnahmen, indem sie die potenzielle finanzielle Auswirkung einzelner Betrugsszenarien transparent macht.
BEISPIEL
Durchschnittlich 120’000 CHF pro Fall.
Schulungsabdeckung
DEFINITION
Anteil geschulter Mitarbeitender.
KONTEXT
Die Schulungsabdeckung ist eine zentrale Kennzahl im Rahmen von Betrugsprävention und Compliance-Programmen und steht in engem Zusammenhang mit Tone at the Top, Fraud Risk Assessment sowie Sensibilisierungs- und Trainingsinitiativen. Sie misst, in welchem Umfang Mitarbeitende für Risiken, Kontrollen und Verhaltensanforderungen geschult sind.
BEDEUTUNG
Indikator für den Reifegrad von Präventionsmassnahmen und die organisatorische Sensibilisierung für Betrugs- und Compliance-Risiken.
BEISPIEL
90 Prozent absolvieren Fraud-Schulung.
T
Tone at the Top
DEFINITION
Tone at the Top beschreibt Haltung, Verhalten und Vorbildfunktion der obersten Führungsebene in Bezug auf Integrität und Compliance.
KONTEXT
Tone at the Top ist ein zentrales Element von Internen Kontrollen, Fraud Risk Assessment und Compliance-Programmen. Er beeinflusst massgeblich die Unternehmenskultur und steht in engem Zusammenhang mit Red Flags, insbesondere im Bereich von Verhalten und Entscheidungsfindung.
BEDEUTUNG
Die Unternehmenskultur beeinflusst Betrugsrisiken erheblich. Inkonsistentes Verhalten der Führung erleichtert Rationalisierung und Regelverstösse.
BEISPIEL
Die Geschäftsleitung lebt Spesenregeln konsequent vor und sanktioniert Verstösse.
U
Umgehung von Freigabelimiten
DEFINITION
Umgehung von Freigabelimiten bezeichnet die gezielte Aufteilung oder Strukturierung von Transaktionen, um definierte Genehmigungsschwellen und Kontrollmechanismen zu umgehen.
KONTEXT
Die Umgehung von Freigabelimiten tritt häufig im Zusammenhang mit Red Flags, schwachen Internen Kontrollen und unzureichender Funktionstrennung (Segregation of Duties) auf. Sie ist ein typisches Muster in Beschaffungs- und Zahlungsprozessen und wird oft durch fehlende Überwachung von Ausnahmen begünstigt.
BEDEUTUNG
Sie weist auf eine bewusste Umgehung von Kontrollmechanismen hin und stellt ein erhebliches Betrugsrisiko dar.
BEISPIEL
Mehrere Zahlungen unter 10’000 CHF.
Untersuchungsdauer
DEFINITION
Zeit vom Start bis Abschluss einer Untersuchung.
KONTEXT
Die Untersuchungsdauer ist eine zentrale Steuerungs- und Effizienzkennzahl in internen Untersuchungen (Internal Investigations), Forensic Accounting und Compliance-Untersuchungen. Sie wird beeinflusst durch Fallkomplexität, Datenverfügbarkeit, internationale Sachverhalte sowie rechtliche Anforderungen (z. B. Datenschutz, Mitwirkungsrechte). Der Begriff steht in engem Zusammenhang mit Time to Detection, Case Management und Ressourcenausstattung.
BEDEUTUNG
Wichtiger Indikator für Effizienz, Ressourcenbindung und operative Leistungsfähigkeit von Untersuchungsfunktionen.
BEISPIEL
Untersuchung dauert sechs Monate.
W
Whistleblowing
DEFINITION
Whistleblowing bezeichnet das Melden von Missstaenden oder Rechtsverstoessen innerhalb einer Organisation.
KONTEXT
Whistleblowing bezeichnet das Melden von Fehlverhalten oder Rechtsverstössen innerhalb von Organisationen durch interne oder externe Hinweisgeber. Der Begriff ist eng mit Compliance, Hinweisgeberschutz (Whistleblower Protection), internen Untersuchungen und regulatorischen Vorgaben (z. B. EU-Hinweisgeberrichtlinie) verbunden. Whistleblowing-Systeme sind ein zentraler Bestandteil moderner Governance-Strukturen und ermöglichen die frühzeitige Identifikation von Risiken wie Betrug, Korruption oder Compliance-Verstössen.
BEDEUTUNG
Eines der effektivsten Instrumente zur frühzeitigen Aufdeckung von Betrug und Fehlverhalten, insbesondere bei funktionierenden und vertrauenswürdigen Meldesystemen.
BEISPIEL
Anonyme Meldung ueber ein internes Hinweisgebersystem.
Wiederholungstäterquote
DEFINITION
Anteil von Personen oder Einheiten mit wiederholten Vorfällen.
KONTEXT
Die Wiederholungstäterquote ist eine Kennzahl im Fraud Risk Management, Compliance Monitoring und Internal Control Systems (IKS). Sie misst, in welchem Ausmass identifizierte Täter oder betroffene Organisationseinheiten erneut durch vergleichbare Vorfälle auffallen. Der Begriff steht in engem Zusammenhang mit Root Cause Analysis, Kontrollwirksamkeit und Sanktions- sowie Disziplinarmassnahmen.
BEDEUTUNG
Indikator für unzureichende Ursachenbehebung, schwache Kontrollen oder mangelnde Durchsetzung von Massnahmen.
BEISPIEL
Erneuter Betrug im selben Bereich.
