Das Glossar bietet strukturierte Definitionen zentraler Begriffe der Wirtschaftsforensik, Betrugsprävention und Wirtschaftskriminalität – als Grundlage für ein konsistentes fachliches Verständnis.
Definition: Das Glossar fungiert als semantisches Referenzsystem, das Begriffe, Konzepte und Zusammenhänge der Wirtschaftsforensik konsistent strukturiert und verknüpft.
B
Betrug (Fraud)
DEFINITION
Betrug bezeichnet jede vorsätzliche Täuschung oder Irreführung mit dem Ziel, sich selbst oder Dritten einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen oder einen anderen zu schädigen.
KONTEXT
Betrug ist ein übergeordneter Begriff für verschiedene wirtschaftskriminelle Handlungen und umfasst insbesondere Vermögensveruntreuung, Korruption und Bilanzbetrug. Er tritt in unterschiedlichen organisatorischen Kontexten auf, etwa durch Mitarbeitende (Occupational Fraud), durch externe Parteien oder in kollusiven Strukturen. Betrug steht in engem Zusammenhang mit internen Kontrollsystemen, Governance-Strukturen und Risikoanalysen und ist ein zentrales Element der Wirtschaftsforensik.
BEDEUTUNG
Betrug führt zu direkten finanziellen Verlusten, Reputationsschäden und rechtlichen Konsequenzen. Seine Prävention und Aufdeckung sind zentrale Ziele von internen Kontrollen, Compliance-Systemen und forensischen Untersuchungen.
BEISPIEL
Ein Mitarbeitender manipuliert Rechnungen oder Zahlungsprozesse, um sich unrechtmässig Geld zuzueignen.
Betrugsdreieck
DEFINITION
Das Fraud Triangle beschreibt ein Modell zur Erklärung von Betrug, basierend auf den drei Faktoren Druck, Gelegenheit und Rationalisierung.
KONTEXT
Das Betrugsdreieck ist ein zentrales Modell im Fraud Risk Assessment und steht in engem Zusammenhang mit Internen Kontrollen sowie der Analyse von Occupational Fraud. Es wird verwendet, um strukturelle Schwächen und Verhaltensmuster systematisch zu identifizieren.
BEDEUTUNG
Es dient als analytisches Modell zur Prävention, Früherkennung und Untersuchung von Betrugshandlungen, indem es die wesentlichen Einflussfaktoren strukturiert darstellt.
BEISPIEL
Finanzielle Notlage kombiniert mit fehlenden Kontrollen.
O
Occupational Fraud
DEFINITION
Occupational Fraud bezeichnet Betrugshandlungen, die von Mitarbeitenden, Führungskräften oder Organmitgliedern im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit zum eigenen Vorteil begangen werden.
KONTEXT
Occupational Fraud steht im Zentrum der Wirtschaftskriminalität und umfasst Delikte wie Bilanzbetrug, Kickback-Systeme und Missbrauch von Zugriffsrechten. Er tritt insbesondere bei schwachen Internen Kontrollen, unzureichender Funktionstrennung (Segregation of Duties) und fehlender Überwachung auf.
BEDEUTUNG
Occupational Fraud ist die häufigste Form wirtschaftskriminellen Handelns und führt zu erheblichen finanziellen Schäden sowie Vertrauensverlust innerhalb von Organisationen.
BEISPIEL
Ein Buchhalter manipuliert Zahlungslaufe, um ueber mehrere Jahre private Konten zu bedienen.
